Ausstellungstexte

Eröffnung Schoenholtz BBK - 21.05.2000

Sehr gehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

der Bildhauer Brancusi hat einmal formuliert : „Die Einfachheit ist nicht das Ziel der Kunst, man kommt, während man sich dem wirklichen Sinn der Dinge nähert, fast wider eigenen Willen zu dieser Einfachheit.” (Brion, S.111)

Einfachheit -  sichtbar als Behauptung einer konzentrierten  Formenwelt vermitteln auch die hier vorgestellten Werke des Berliner Bildhauers Michael Schoenholtz. Durch ihre minimalistische Monumentalität haftet diesen Arbeiten zudem etwas Wesenhaftes an. Dabei kann Wesen im Doppelsinn von Idee und Ver-Körperung verstanden werden.

Der Künstler gibt uns Hinweise in dieser Richtung. Er nennt seine Arbeiten ‘Körper’, ‘Figur’ - er besteht auf dem Motiv des Menschen, und dies, obwohl doch zunächst vor allem reduzierte Formen zu sehen sind, Formen, die daher vordergründig eher zum Dinglichen tendieren als zum Körperlichen.

Aber Schoenholtz’ Plastiken sind dinglich ohne konkret Ding sein zu wollen. Sie stellen auch nicht Gegenstände dar, sondern umspielen das Thema der Figur, des Körperlichen auf eine ganz leise, spröde und dennoch sinnliche Art. Indem der Künstler das Material zum Sprechen bringt - Eisen etwa oder Muschelkalk - wird alles zu antropomorph interpretierbarer Materie, zu Rohmaterial, in dem die Idee der menschlichen Gestalt als Evokation enthalten ist.

 

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Felizitas Matzke

Felizitas Matzke - Auf der Suche nach dem Dümmsten

Felizitas Matzke 2010, Auf der Suche nach dem Dümmsten

Ausstellung "Auf der Suche nach dem Dümmsten"

30.5.2010, Sorsum/Hildesheim

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

es ist sichtlich ein besonderes Gehäuse, in dem Felizitas Matzke ihre Werke Ihnen und uns heute präsentiert. Ein Raum für Kunst und für das Machen von Kunst, Atelier und Ausstellungsraum zugleich, der in seiner klaren Architektur, in der Verknüpfung von Alt und Neu gleichsam Teil einer Installation wird, in der wir die Werke der Künstlerin nun erleben.

In diesem Raum finden wir plastische und malerische Werke, in denen Gegenstände von eigenartiger Symbolkraft dargestellt sind: Boote, Stühle, Tore, große Kugeln, eine Kolonne kleiner Esel auf einem Brettchen. Felizitas Matzke schafft zu diesen Motiven Formen und Objekte, die zuerst und bevor sie Assoziationsfelder öffnen und uns zur Deutung auffordern einen gegenständlichen, haptischen und sinnlichen Reiz ausüben. Da sind die filigranen Stühle, in Material und Gestaltung zart und zerbrechlich wirkend, die Boote, die beinahe immateriell, fragil erscheinen, während die aus Rost gefertigten Objekte oder die Torreliefs fester und stabiler bereits Jahrtausende überstanden zu haben scheinen.

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Zinate Engel

Zinate Engel  -Spuren

Zinate Engel, Spuren IV: „Innen und Außen“, Eitempera, 70x80cm

Ausstellung „Reales und Irreales“

6.6. 2010 Schöningen


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde,

eine schmale Frauengestalt – dicht hält sie ihre Arme am Körper verschränkt. Wie von einer goldenen Mauer an den Rand gedrängt, ragt sie – das Gesicht unbeschrieben – wie eine stumme Frage heraus. Die Mauer ist in der Bildoberfläche ein goldenes Tuch, die Frau ist gemalt. Vielleicht ist sie das Alter Ego von Zinate Engel, die in diesem Bild Spuren der Erinnerung an ihre Heimat Persien, die sie vor 40 Jahren verlassen hat, aus einer teils transparenten, teils verdeckenden  weißen Farbschicht hervortreten lässt. Fragmente von gemusterten, perlenbestickten und gold bedruckten Stoffen üben einen haptischen Reiz aus und eröffnen ebenso wie die Ornamente, Schriftzeichen und ein Gitter verschiedene Assoziationsfelder. Ein gespiegeltes menschliches Profil, collagiert aus Zeitungspapier - eins in persischer, eins in deutscher Sprache und Schrift bedruckt -   taucht darin auf. Ein Motiv, das die Künstlerin wiederholt verwendet. Dies und die ungleiche Spiegelung verweisen auf die Verwurzelung in beiden Kulturen. Die damit verbundene Fähigkeit in zwei Richtungen zu schauen ist zugleich mit Zerrissenheit verbunden. Das Bild – nun im Haus der Künstlerin platziert - wirkt gleichsam wie eine innere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und somit zwischen den beiden Lebenszusammenhängen von Zinate Engel und bekommt fast eine heilende Funktion.

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