Felizitas Matzke

 
Auf kleinen Podesten stehen die dünnwandigen Stühle im Miniaturformat. Sie unterscheiden sich untereinander in Farbe und Material und hinterlassen dabei die Vorstellung, sie seien Individuen derselben Gattung, bald allein, bald in Gruppen positioniert. Drei stehen zusammen wie in einer ewigen Warteposition verharrend. Eine größere Gruppe ist aufgereiht, ebenfalls auf einem Podest, doch die Aufreihung wirkt unvollständig, abgebrochen, ist hier kein Platz für einige, die erwartet werden? Wem wird der unbestuhlte Raum zugewiesen? Wer bleibt außen vor?

Wie archäologische Relikte einer vergangenen Zeit erscheinen dagegen der kleine und der große Rostthron. Auf ihnen könnte einst ein Pharao gesessen haben, denn sie basieren auf derselben proportionalen und strukturellen Strenge wie eine ägyptische Plastik. Trotz des Miniaturformats wirken sie monumental. Und es ist die rostige Oberfläche des kleinen Throns, die den Anschein eines archäologischen Objekts gibt. Der perfekt geschaffene „Große Thron“ weckt in mir die Erinnerung an die bemerkenswerten Dankesrede des Schriftstellers Ingo Schulze zum Thüringer Literaturpreises 2007, in der er von einer Refeudalisierung der Kultur durch Privatisierung und Sponsoring sprach. Steht in diesem Thron die Frage geschrieben, ob etwa längst Vergangenes in neuer und perfekt gestalteter Form rekonstruiert wird? Oder zeigen diese Thronminiaturen vielmehr, wie brüchig und vergänglich noch jede autoritäre Herrschaft ist?