Zinate Engel


Eingewoben in die Gemälde von Zinate Engel scheint immer etwas Geheimnisvolles, das schon im Zauber der ersten Wahrnehmung liegt. Im doppelten Sinne stellt sich der Gedanke an ein Webstück ein, denn die floralen, geometrischen und figurativen Elemente oder ganze Figuren erscheinen in vielen der Bilder wie in ein Teppichmuster eingefügt, das von Erinnerungsfragmenten durchwirkt ist.  

Glückvolle Erinnerungen an gemeinschaftliches Feiern und Musizieren, an eine bestimmte Art von Frauengemeinschaft hatte die Künstlerin in ihre ganz frühen noch figurativ aufgefassten  Bilder gleichsam als utopischen und unbeschwerten Ort der Jugend, als verlorenes Paradies hineinformuliert.

In den hier ausgestellten Gemälden, die die Künstlerin wie große, aus wunderbaren Ornamenten gewebte Tücher an den Wänden ausgebreitet hat, haben sich die Spuren der Erinnerung mit komplexen Lebenserfahrungen angereichert. Das Wissen über Gewalt und Unterdrückung, offen oder verdeckt als ein weltweites Phänomen, ist nun zum tieferen Thema der Künstlerin geworden. Zwar werden wir Betrachter zunächst von der Schönheit der Muster, dem Zauber der Ornamente, von den harmonisch gesetzten kostbaren Farbklängen, dem haptischen Reiz der Oberflächen betört. Dann aber offenbart sich, dass hinter dem Glanz und der Kostbarkeit der malerischen Faszination ein stummer Schrei verborgen ist. Wir entdecken zwischen den ornamentalen  Elementen immer wieder bandagierte Köpfe, auch die ganzen Figuren können sich kaum frei bewegen und wirken trotz der textilen Anmutung zugleich wie aus Stein gehauene flache Reliefs, wie man sie aus der Frühgeschichte der orientalischen Kunst kennt.