50 Jahre Salzgitter-Gruppe

Die Geschichte der Stahlwerke, die mit Gewaltmassnahmen begann, ist aber weniger das Thema der Künstler der salzgitter-gruppe im Jahr 2009. Eher wird die Ver- und Bewunderung gegenüber der gewaltigen Maschinerie thematisiert, wird Nähe und Distanz gezeigt gegenüber einer Fabrikanlage, die immer noch etwas ganz Ursprüngliches vermittelt, so als sei sie bei aller hoch entwickelten Technik noch mit den Elementen verbunden. Die Hütte ist in weiten Teilen keineswegs so clean und schick ist  wie die benachbarten Werke mit ihren tickenden Produktionsbändern und Automaten und dem technisch silbrigen Blau. Der Ton von Fotografien des Hüttenwerkes im Inneren ist warm, von Rot- und Orangetönen dominiert, denn in diesen Werkshallen wird noch Feuer gespieen, Dampf und kochende Glut ist noch zu sehen, als käme die Kraft des Metalls aus Hölle und Fegefeuer.  Bei großer Hitze von über 40 Grad arbeiten die Männer am Stahl-Abstich. In ihren sperrigen Schutzanzügen sehen sie wie monumentale Mondbesteiger aus, gleichzeitig aus der Vergangenheit und der Zukunft kommend. Immer noch steht an der entscheidenden Stelle der Probennehmer, seine harte Arbeit in glühender Hitze vollziehend und dies wohl nicht ohne Risiko. Diese Funktion des Probennehmers, der durch das Monument von Jürgen Weber zu einer Art Superzeichen der Stadt geworden ist, taucht auch in vielen Werken dieser Ausstellung auf.

Dan Groll ironisiert die Rolle des Weber-Denkmals in einer Parodie, die er „Säulenheiliger“ nennt. Salzgitter wird darin zur märchenhaften Collage. Stahlproduktion und Fabrik  mit dem Denkmal des Probennehmers sind umgeben von christlicher und muslimischer Welt in der Form von Kirchturm und Moscheenkuppel. So wird in dem realfiktionalen Bild Salzgitter zu einer multikulturellen Industriestadt.

Wolfgang Spittler zeigt den Probennehmer monumental, fast unwirklich in seiner Montur, kaum noch als Mensch erkennbar, aber doch mit Händen, die die lange Kelle halten, mit Füßen, die in schweren Arbeitsstiefeln stecken, mit Augen, die man nur ahnen kann, ja, als Herr über einen sehr komplexen gleichermaßen hochmodernen und urtümlichen  Prozess.