Ausstellung Andrea Piep


Einer fanatischen Sammlerin und Bewahrerin gleich schafft Andrea Piep sich gewissermaßen eine persönliche künstlerische Enzyklopädie des von ihr gefundenen Kleingetiers und Blütenzaubers. Wie sie in sequenziellen Untersuchungen die Dinge der Natur in ihre Kunst umwandelt, diese Naturalia in Artificialia, nimmt sie eine  Haltung ein, die an die Sammler des 17. Jahrhunderts erinnert. Einem enzyklopädischen Weltbild gemäß sammelten und präsentierten diese in ihren Kunst- und Wunderkammern Naturalia, Artificiala und  Scientifica, wie wir sie in Resten auch noch in der herzoglichen Sammlung in den Braunschweiger Museen vorfinden.

Damals waren Natur, Kunst und Wissenschaft in der Vorstellung der Menschen noch nicht so getrennt wie heute, auch konnten die Menschen offenbar noch staunen über die Wunder der Schöpfung – die großen wie die kleinen.
Heute, da alles vernutzt und zur Ware wird, da der Alltag viel weniger von Gritzen und Faltern, als von bunten Handys, lauten Events und grellen Auslagen bewohnt ist, da vor allem Jugendliche am Samstag lieber in den Mediamarkt als in den Wald gehen, haben wir das Staunen und Innehalten meist verlernt.

Die Konzentration und Intensität, die von den feinen und oft extrem kleinformatigen Bildern der Andrea Piep ausgeht, kann uns, so wir wollen, diese Erfahrung des Staunens und Innehaltens zurückgeben.

Es ist denn auch weniger eine wissenschaftliche als vielmehr eine poetische Sicht, die sich einstellt, wenn Andrea Piep ihren künstlerischen Blick auf ihre Modelle und Motive wirft, indem sie die kleinen Wunder der Natur in feinster Zeichnung in ihren Monotypien abdruckt und bewahrt.

Schon diese Geste des Abdruckens unterstützt den Charakter des Sammelns.